Eisenbahn in MönchengladbachGeschichte und Betrieb in und um Mönchengladbach

Woher kommt der Name "Eiserner Rhein"?
Etwa 1830 möchten rheinische Kaufleute die ständig steigenden niederländischen Rheinzölle umgehen. Der Warenumschlag mit Amsterdam und Rotterdam wird durch die Niederlande schamlos ausgenutzt. Die Kaufleute, darunter Ludolf Camphausen, planen mit dem gerade entstandenen Belgien eine Eisenbahn zwischen Antwerpen (wichtiger belgischer Hafen) und Köln über Aachen und Lüttich. Diese Eisenbahn wird "Eiserner Rhein" genannt, als Gegenpol zum "richtigen" Rhein. Schon damals war den Kaufleuten an Wettbewerb gelegen.

In seiner Denkschrift „Zur Eisenbahn von Köln nach Antwerpen“ im Jahr 1833 schreibt Ludolf Camphausen: „Belgien, eingeklemmt zwischen Frankreichs Merkantilsystem, zwischen das so bitter gekränkte Holland, und zwischen Preußens liberaler Handelspolitik, wo wird es den natürlichen Verbündeten finden? Ohne Zweifel lautet die Antwort auf diese rhetorische Frage: in Preußen. Die Straße (Eisenbahn) nach Antwerpen, welche sowohl Preußen als Belgien die gegenseitige Zufuhr zusichern wird, ist der erste Fühlfaden, den der deutsche Handelsstaat nach der Nordsee ausstreckt.“

Weiter heißt es: „Diese freie Durchfahrt aber wirkt mit unverkennbarer Gewalt zurück auf alle Verhältnisse der Rheinschifffahrt, und beschließt Hollands Monopol des Zwischenhandels. Deutschland blieb zwei Jahrhunderte hindurch tributär an Holland für die Benutzung des Rheinstromes, und so ist es heute. Daß die Zahlung dieses Tributs mit dem ersten auf der freien Bahn von Köln nach Antwerpen rollenden Wagen endet, daß Holland gezwungen sein wird, dem deutschen Handel alles zu bieten, was ihm der neue, der eiserne Rhein gewährt, das liegt in der Natur der Dinge.“

Warum bezeichnet man die heutige Strecke als Eiserner Rhein?
Durch die territoriale Neuordnung zwischen Belgien und den Niederlanden wurde den Belgiern der direkte Weg ins Ruhrgebiet versperrt (das Gebiet Roermond/Maastricht war im Weg). Auf einer internationalen Konferenz in London (1830/1839) wird den Belgiern die ungehinderte Durchfahrt durch die Niederlande gewährt, damit Belgien nicht benachteiligt ist. Diese Verbindung Antwerpen-Neerpelt-(Grenze)-Weert-Roermond-(Grenze)-Dalheim-Mönchengladbach führt ab 1879 die Bezeichnung "Eiserner Rhein", weil es jetzt die bevorzugte Route für Güter ist. Besonders Mönchengladbach, Viersen und Krefeld profitieren davon. Sie wird bis 1991 für den Güterverkehr genutzt. Es war unter anderem die Deutsche Bundesbahn die die Schliessung des Grenzübergangs Dalheim aus Rationalisierungsgründen gefordert hat.

Wo liegt das Problem heute?
Die Niederlande haben nach der Einstellung des grenzüberschreitenden Verkehrs zwischen Dalheim und Roermond gegen internationales Recht über die Bahnlinie das Naturschutzgebiet "Meinweg" gelegt. Die Strecke war und ist nie stillgelegt oder entwidmet worden. Es ist davon auszugehen, dass die Niederlande diesen Akt bewusst zur Blockade der Bahnstrecke vollzogen haben. Der Hafen Antwerpen ist seit dem seiner gegenüber Rotterdam gleichwertigen Verkehrsanbindung zu Deutschland beraubt. Der Wettbewerb wurde zu Gunsten der Niederlande verschoben. Gleichzeitig haben die Niederländer eine neue Bahnverbindung nur für Güter von Rotterdam nach Emmerich gebaut (Betuweroute), um den Antwerpener Hafen weiter unter Druck zu setzen. Belgien wehrte sich beim Europäischen Schiedsgericht in Den Haag mit Erfolg. Die alten Beschlüsse mit dem Transitrecht gelten weiter. Trotzdem haben die Niederlande viel Zeit im Konkurrenzkampf der Häfen gewonnen.

Wie wird die Strecke aktuell genutzt?
Die aktuelle Nutzung des Eisernen Rheines stellt sich so dar: Es gibt keine Züge, die die Gesamtstrecke befahren. Zwischen Dalheim und Roermond ist die Strecke nicht betriebsbereit bzw. gesperrt. Zwischen Budel und Weert findet kein regelmäßiger Betrieb statt. Der Gleisanschluss in Budel (Industriebetrieb Nyrstar/Nedzink mit hohem Wagenaufkommen) wird fast werktäglich von Belgien aus bedient.

Uebersichtskarte_Eiserner_Rhein

Übersichtskarte Eiserner Rhein Stand 2005

Warum soll der Eiserne Rhein überhaupt reaktiviert werden?
Der Eiserne Rhein ist ein europäisches Projekt, Europa ist an Wettbewerb interessiert, was uns Bürgen zugute kommt. Belgien und Deutschland haben etwas von der Reaktivierung, die Niederlande werden in ihrer Transportvorherrschaft zwischen den Seehäfen und dem Rheinland beschränkt (exakt die gleiche Situation wie 1830). Der Eiserne Rhein schafft Wettbewerb zwischen den Häfen und macht die Wirtschaft in NRW, insbesondere die Logistikbranche unabhängig von nur einer Bahnstrecke wie der Betuweroute. Tatsache ist, dass durch die Globalisierung, insbesondere aus Asien immer mehr Waren nach Europa gelangen, vorherrschend in Containern. Daran sind wir alle als Konsumenten beteiligt. Im übrigen hat sich das Land NRW vor Jahren in einer "Joint Declaration" verpflichtet, dem Duisburger Hafen eine Bahnanbindung nach Belgien, den Eisernen Rhein, zu beschaffen. Dies war Voraussetzung für die Ansiedlung des P&O-Containerterminals in Duisburg.

Warum wird nicht die alte Trasse genutzt?
Die alte Trasse könnte ohne Probleme hergerichtet werden. Die Niederlande könnten sich nicht dagegen wehren, wenn Belgien und Deutschland wirklich auf der historischen Trasse fahren wollten. Durch eine unglückliche Kommunalpolitik in Wegberg wurden dort Wohnhäuser bis in unmittelbare Nähe der Gleise gebaut. Die Stadtverwaltung hat seinerzeit Grundstücke verkauft und behauptet, auf der Strecke würde sich nicht mehr viel tun. Eine Reaktivierung des Güterverkehrs wäre ohne Probleme möglich. Aber das ist politisch von der NRW-Landesregierung (aktuell wie rückschauend) nicht gewollt. Das Bundesverkehrsministerium kann sich aktuell dagegen die Nutzung der alten Trasse durchaus vorstellen. Technisch spricht nichts gegen die alte Strecke. Durch die Renovierungen in den Jahren 2009-2010 ist die Strecke auf deutscher Seite in ausgezeichnetem Zustand. Für den Personenverkehr wäre eine Reaktivierung sehr ratsam. Studien weisen der Strecke Mönchengladbach - Roermond sehr gute Fahrgastzahlen zu. Selbst wenn Baumaßnahmen auf der historischen Strecke nötig wären, würden sich die Kosten durch die gemischte Nutzung mit Personen- und Güterverkehr sehr schnell amortisieren.

© 2017 Thomas Barthels | eMail