Eisenbahn in MönchengladbachGeschichte und Betrieb in und um Mönchengladbach

Die Geschichte der Eisenbahn in Mönchengladbach

Die ersten Bauarbeiten für Eisenbahnen in Mönchengladbach gehen auf das Jahr 1845 zurück. Damals begann die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn eine Bahnlinie von Homberg (bei Duisburg) über Krefeld nach Viersen zu bauen. Dieser Streckenabschnitt ging 1851 in Betrieb. Homberg am Rhein war der Endpunkt der Strecke auf linksrheinischer Seite. In Homberg befand sich eine so genannte Trajektanlage zum Übersetzen von Waggons auf die andere Rheinseite.

Bereits 15 Jahre zuvor beschäftigte man sich im Mönchengladbacher Raum auch schon mit Eisenbahnen. Eine Reihe von Industriellen war am Bau von Bahnstrecken zum einen nach Belgien, zum anderen im Rheinland selbst interessiert. Es war verständlich, dass Industrielle für den Absatz ihrer Waren und den Einkauf von Rohstoffen sehr an Eisenbahnstrecken interessiert waren. Nach einigem Hin und Her bekam die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn als erste vom preußischen Staat die Konzession beziehungsweise Bauerlaubnis. Eine zweite Bahngesellschaft, die Rheinische Eisenbahngesellschaft, sollte später in Konkurrenz hierzu auftreten.

Nachdem 1852 die Weiterführung von Viersen nach Mönchengladbach fertig gestellt war, hatte Mönchengladbach seinen ersten Eisenbahnanschluss. Auch damals schon gab es eine Konkurrenz zwischen den beiden Nachbarstädten Mönchengladbach und Rheydt. Beide Städte beanspruchten in der Planungsphase um 1847 den „Centralbahnhof“ für sich und machten ihre Ansprüche bei den Eisenbahnkomitees geltend. Die Entscheidung darüber wurde weit entfernt in Berlin von der preußischen Regierung getroffen. Mönchengladbach bekam den Zuschlag. Der Stationsname lautete „Gladbach“. Auch Rheydt bekam 1852 einen Bahnhof, der aber damals wie heute weitaus kleiner war als der von Mönchengladbach. Die Weiterführung nach Herzogenrath bei Aachen wurde ebenfalls 1852 in Betrieb genommen. Die Verbindung Mönchengladbach - Neuss wurde 1853 fertig gestellt.

1865 übernahm die bereits 1843 in Wuppertal gegründete Bergisch-Märkische Eisenbahn AG (BME) den Betrieb der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn. Die BME, als große Bahngesellschaft finanzkräftiger und erfolgreicher als die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn, baute ab 1870 die lange geforderte Bahnstrecke Richtung Köln über Rheydt-Geneicken, Rheydt-Mülfort, Hochneukirch und Grevenbroich, die erst 1899 fertig gestellt wurde.

In Konkurrenz zum bestehenden Eisenbahnnetz der BME baute die Rheinische Eisenbahngesellschaft im Jahr 1877 eine parallele Strecke zur BME von Rheydt über Speick, Bökel und Willich Richtung Krefeld. Diese Strecke war zwar kürzer als die BME-Strecke nach Krefeld, doch konnte sie sich gegen die BME nicht durchsetzen.

Fahrplan_BME_1879

1878 wurde dann die Verbindung nach Dalheim über Mönchengladbach-Rheindahlen fertiggestellt. Der Betrieb für Personenzüge wurde am 15. Februar 1879 aufgenommen. Den 20. Juli 1879, den Tag, als der vollständige Betrieb mit Personen- und Güterzügen auf der Gesamtstrecke aufgenommen wurde, kann man als den Geburtstag des Eisernen Rheins bezeichnen.
Im Zuge der Verstaatlichung gingen ab 1880 nach und nach die verschiedenen Bahnhöfe und Strecken im Mönchengladbacher Raum in den Besitz der Preußischen Staatseisenbahn über. Zwischen 1902 und 1910 wurden einige kleine Veränderungen im Eisenbahnnetz von Mönchengladbach durchgeführt. Der Abzweig der Strecke nach Rheindahlen musste durch den neuen Rangierbahnhof Rheydt Rbf weiter nach Süden verlegt werden. Die Verbindung vom Bahnhof Rheydt zur ehemaligen Rheinischen Eisenbahn in Speick wurde 1910 entfernt.

Erst ab 1908 wurde der Hauptverkehr Richtung Köln nicht mehr über Rheydt-Geneicken und -Mülfort, sondern über die neue eingleisige Verbindungsstrecke von Rheydt Hbf nach Rheydt-Odenkirchen geführt. Zwischen 1909 und 1945 hat es eine Verbindung von Rheydt-Odenkirchen zum Rangierbahnhof Rheydt gegeben. Nach der Zerstörung einer wichtigen Brücke für diese Verbindung im Zweiten Weltkrieg wurde der Abschnitt nicht wieder in Stand gesetzt.

Die ehemalige Rheinische-Eisenbahn-Strecke über Speick und Bökel wurde bereits 1909 wieder entfernt. Man wollte jedoch auf diese Verbindung nicht verzichten, darum baute man die heutige Umgehungsbahn, die seit diesem Jahr den Streckenabschnitt zwischen Rheydt Rbf und Mönchengladbach Hbf in Richtung Viersen weiträumig umfährt.

Während der Preußischen Staatseisenbahnzeit zählte man in Mönchengladbach 13 Bahnhöfe beziehungsweise Stationen – eine nicht wieder erreichte Zahl. Nach 1909 wurde das Streckennetz der Eisenbahnen in Mönchengladbach Stück für Stück zurückgebaut.

Der Bahnhof von Speick wurde für den Personenverkehr mit dem Abbau der Bökel-Bahn stillgelegt. Güterverkehr fand auf den Abstellgleisen noch bis 1980 statt. Zahlreiche Großbetriebe benutzten die Gleisanschlüsse bis zu diesem Zeitpunkt noch. Die Strecke über Rheydt-Geneicken wurde 1986 stillgelegt. Der Personenverkehr wurde schon Jahre vorher aufgegeben. Auch hier waren es die Industriebetriebe in Geneicken und Mülfort, die noch bis zum Ende für Betrieb sorgten.

Karte_MG_historisch


In der Vergangenheit war Mönchengladbach nicht nur D-Zug-Halt oder Kurswagen-Wechselbahnhof. Es fuhren so angesehene Züge wie der Rheingold, Rhein-Express oder der Hoek-van-Holland-Express durch diesen Bahnhof. Heutzutage regieren hier die S-Bahnen Richtung Düsseldorf und Regional-Expresszüge und Regionalbahnen Richtung Duisburg, Köln und Aachen. Und natürlich die Regionalbahn nach Dalheim. Immer wieder wird versucht, auch IC- und ICE-Züge durch Mönchengladbach zu führen. Die Verbindung nach Berlin zum Beispiel.

Im Güterverkehr erfährt der Abschnitt zwischen Mönchengladbach Hbf nach Rheydt Hbf heute eine besondere Bedeutung. Hier laufen die zwei wichtigen Gütertransversalen Ruhrgebiet-Belgien/Frankreich und Niederlande-Köln/Süddeutschland für einige Kilometer auf nur zwei Gleisen zusammen, und sorgen so für jede Menge Güterverkehr. Gleisanschlüsse für Industriebetriebe gibt es im Mönchengladbacher Raum kaum noch.

Für eine Belebung des Bahnbetriebes in Mönchengladbach, oder genauer gesagt in Rheydt, sorgt seit 1997 die Siemens AG mit ihrem Prüfcenter in Wegberg-Wildenrath. Da die Strecke nach Dalheim nicht elektrifiziert ist, werden alle elektrisch betriebenen Fahrzeuge mit Dieselloks nach Wegberg-Wildenrath befördert. Der Rangierbahnhof Rheydt ist die erste beziehungsweise letzte Stelle unter Fahrdraht. Versuchsfahrzeuge aller Art und Fahrzeuge zur Abnahmeprüfung, die zum Prüfcenter befördert werden müssen, fahren maximal bis Rheydt Rbf aus eigener Kraft. Wenn elektrisch betriebene Fahrzeuge noch nicht vom Eisenbahn-Bundesamt abgenommen sind, werden sie sogar komplett – also auch unter Fahrdraht – zum Prüfcenter geschleppt. Erst wenn dort zum Beispiel die Abnahme erfolgt ist, dürfen die Fahrzeuge dann ab Rheydt Rbf erstmals aus eigener Kraft über die Schienen rollen. So kann man im Rangierbahnhof Rheydt immer wieder hochmoderne Fahrzeuge aus und für Europa und Übersee beobachten.

Die Umgehungsbahn wird hauptsächlich für Güterzüge auf der Relation Duisburg - Aachen genutzt, die nicht durch die beiden Hauptbahnhöfe fahren sollen. Aber auch als Ausweichstrecke bei Bauarbeiten und als Bahnstromleitung ist die Umgehungsbahn unverzichtbar.

© 2017 Thomas Barthels | eMail